Mit Bewegung den Diabetes in den Griff bekommen

Weniger Sitzen und ein häufiger Wechsel zwischen Sitzen und Stehen können den Blutzuckerspiegel deutlich senken.

Foto: Proxima Studio/AdobeStock

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Die Zuckerkrankheit, der Diabetes mellitus, ist eine in unserer Gesellschaft mittlerweile weit verbreitete Stoffwechselerkrankung und Ursache hoher Kosten unseres Gesundheitssystems. Die Gefahr, an einem Diabetes mellitus zu erkranken oder bei einer bereits bestehenden Erkrankung abhängig von externen Insulingaben zu werden, lässt sich mit einem einfachen Mitteln unterbinden: Bewegung!

Diabetes mellitus („honigsüßer Durchfluss“) – umgangssprachlich auch als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet – ist ein Krankheitsbild, das eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen umfasst. Das Hauptsymptom, auf das sich auch die Begrifflichkeit bezieht, beschreibt die Ausscheidung von Zucker im Urin. Diese Zuckerausscheidung liegt in der Überzuckerung des Blutes, da insbesondere ein Mangel des Hormons Insulin vorliegt. Insulin ist das Hauptregelungshormon des Zuckerstoffwechsels im Organismus. Wird nicht ausreichend Insulin in speziellen Zellen, lokalisiert in der Bauchspeicheldrüse, produziert oder ist die Insulinwirkung abgeschwächt, so wird der Zucker nicht ausreichend aus dem Blut in die Zielzellen zur Energiegewinnung eingeschleust und stattdessen über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden.

Was senkt den Blutzuckerspiegel am effektivsten?

Wissenschaftler von der Universität Maastricht haben 2017 in der Fachzeitschrift Diabetologia einen Artikel publiziert, der der Frage nachging, was bei Diabetikern den Blutzuckerspiegel am effektivsten über ein 24-Stunden-Intervall senkt:

Die Interventionen an 19 Patienten mit Typ-2-Diabetes sahen folgendermaßen aus:

1 Gruppe: 14 Stunden täglich Sitzen und im Mittel 4.415 Schritte gehen

2 Gruppe: 1,1 Sitzstunden durch Fahrradfahren ersetzen bei 4.823 Schritten

3 Gruppe: 4,7 Sitzstunden wurden durch Stehen und Gehen ersetzt, damit stieg die tägliche Schrittzahl auf 17.502

Die entscheidende Messgröße in diesem Experiment war der 24-Stunden-Blutzuckerspiegel und die sogenannte. Insulinresistenz. Unter Insulinresistenz wird die Eigenschaft einzelner Individuen verstanden, wie gut deren Körperzellen, insbesondere die der Leber, der Muskulatur und des Fettgewebes, auf das Hormon Insulin reagieren. Diabetiker zeigen in der Regel eine höhere bis hohe Insulinresistenz, das bedeutet, das Insulin kann nicht ausreichend Blutzucker in die Zellen einbringen, sie sind resistent.

Sitzzeiten reduzieren und unterbrechen

In den Ergebnissen zeigte sich, dass die Blutzuckerwerte zwischen den oben beschriebenen Interventionsgruppen 2 und 3 signifikant geringer gegenüber der „Sitzgruppe“ 1 waren. Hinsichtlich der Insulinresistenz zeigten sich jedoch auch zwischen den beiden Bewegungsgruppen 2 und 3 Unterschiede zugunsten der dritten Gruppe, die die Sitzzeiten deutlich reduziert und durch Steh- und Gehzeiten ergänzt hat.

Die Autoren der Studie folgern daraus, dass das Unterbrechen des Sitzens durch Steh- und Gehphasen den Blutzuckerspiegel in einem 24-Stunden-Zeitraum vergleichbar senkt wie bei einem Übungsprogramm, hier Fahrradfahren. Unterbrechungen der Sitzzeiten kann die Insulinsensitivität der Zellen sogar stärker verbessern als ein Übungsprogramm.

Fazit für das Arbeiten im Büro: Sitzzeiten deutlich reduzieren, Stehzeiten und häufige Haltungswechsel zwischen Sitzen und Stehen an zum Beispiel höhenverstellbaren Tischen einbauen und immer wieder Gehstrecken zu Kollegen, zum Kopierer oder Drucker und natürlich auf dem Arbeits- uns Heimweg einbauen. Rolltreppen und Fahrstühle sind und bleiben ein Tabu – diese wurden schließlich nur für fußkranke Menschen und Lasttransporte geschaffen.

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