Bewegung lieben lernen

Genuss beim Training entscheidet darüber, ob wir es regelmäßig absolvieren

Foto: Mediteraneo/AdobeStock

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Dreimal die Woche joggen? Vorsätze dieser Art sind schnell gefasst, im Alltag jedoch genauso schnell wieder vergessen und verdrängt. Viele Menschen scheuen körperliche Anstrengungen. Die Aussicht, dadurch gesünder und fitter zu werden, reicht als Motivationsfaktor nicht aus. Sportpsychologen haben nun festgestellt, dass Genuss während der Bewegung entstehen muss, um sich regelmäßig auf sportliche Aktivitäten einzulassen.

Bewegung trainiert das Herz-Kreislauf-System, stärkt die Muskeln, verbessert die Körperhaltung, vermindert das Krankheitsrisiko und verschafft mentale Ausgeglichenheit – mit diesen und vielen weiteren Vorteilen eines aktiven Lebens werden oft Aufrufe zu mehr Bewegung begründet. Appelle an den Verstand sind natürlich nicht falsch, weitaus wirkungsvoller ist es allerdings, wenn das Gefühl angesprochen wird.

Sanft, kurz, unterhaltsam und selbstbestimmt – so macht Training Spaß

Man habe zu wenig Wert darauf gelegt, wie sich Menschen während der Bewegung fühlten, sagt Panteleimon Ekkekakis, Professor für Bewegungspsychologie an der Iowa State University, USA. Das Gefühl sei jedoch entscheidend, ob wir eine Bewegung wiederholen wollten oder nicht. Bisher war man davon ausgegangen, dass es den Menschen beim Sport um eine Steigerung des Wohlbefindens danach gehe. Neuen Erkenntnissen zufolge hängt die Wahrscheinlichkeit, nochmals Sport zu treiben, jedoch primär vom guten Gefühl während des Trainings ab.

Wenn es also darum geht, Menschen zu mehr Bewegung zu motivieren, sollte es weniger um Ziele, Pläne und Selbstkontrolle gehen, sondern vielmehr um Spaß. „Bewegung lieben lernen“ – lautet der neue Ansatz. Aber wie geht das? Die Forscher nennen vier Ansatzpunkte: Sport werde von den meisten Menschen als genussvoll und positiv empfunden, wenn er sanfter, kürzer, unterhaltsamer und selbstbestimmter ist.

„Sport-Snacks" in den Alltag einbauen

„No pain no gain“ – das Credo der Fitness-Szene gerät damit ins Wanken. Und tatsächlich stellen sich Experten zufolge viele positive Effekte der Bewegung, vor allem für den Blutdruck und den Zuckerhaushalt, auch bei einem Training mit niedriger Intensität ein. Sogar beim Krafttraining müssen nicht unbedingt die Grenzen der Belastbarkeit ausgereizt werden. Der Muskel wird zwar bei einem Minimal-Training kaum an Masse zulegen, aber er wird dennoch kräftiger und schneller.

Motivationsfördernd ist es für die meisten Menschen außerdem, wenn der Sport nicht unbedingt eine Stunde oder länger dauert, sondern in Mini-Bewegungseinheiten aufgesplittet wird. Solche „Sport-Snacks“ wie etwa Hampelmänner, Kniebeugen, Liegestützen, Seilspringen oder einfach zehnmal vom Sitzen aufstehen, lassen sich zudem gut in den Alltag integrieren.

Mehr auf das Gefühl setzen

Neben angepasster Intensität und Dauer der Sporteinheit, trägt außerdem eine abwechslungsreiche Umgebung zum Genussempfinden während des Trainings bei. Für viele Menschen ist Sport in der Natur das Maß aller Dinge, aber nicht wenige lieben auch das Fitness-Studio-Ambiente.

Es gehört auch etwas Mut dazu, den verinnerlichten Glaubenssatz, Sport bewirke nur dann etwas, wenn man sich dabei verausgaben und quälen muss, zu überwinden. Insbesondere wer bisher mit dem auf Selbstdisziplin basierenden Ansatz keinen Erfolg hatte, sollte den neuen Weg beschreiten – und mehr auf das Gefühl setzen.

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